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Trendmagazin BRAICONN insight 20.01.2004
Knowledge Management in schwierigen Zeiten.
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"Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen."
Henry Ford
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Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit umfassender Wissensmanagement-Lösungen
will einfach nicht abebben. Investitionsentscheidungen werden vielfach noch
immer aufgrund praxisfremder Vorstellungen der Anbieter und bedarfsfremder
Einführungsmodelle der Berater zurückgehalten. Von der Investitionssicherheit
angesichts einer unsicheren Überlebens- und Zukunftsfähigkeit mancher
hoch spezialisierter Anbieter gar nicht erst zu sprechen.
Hinzu kommt ein typisch deutscher
Hemmschuh: Wegen der ausgeprägten Themenkomplexität
und den vielen verschiedenen Realisierungsansätzen
traut sich kein potenzieller Kunde so schnell
an ein derartiges Projekt. Die Gefahr, dass der
Projektverantwortliche daran scheitern wird,
ist ja auch relativ groß. „Dann doch
lieber nicht“, so hört man häufig
bei den Entscheidern in den Management-Etagen – und
sie haben mit dieser
Einstellung nicht ganz unrecht.
Viele angehende Wissensmanager
besuchen immer noch schier verzweifelt unzählige
Workshops und Best-Practice-Veranstaltungen,
um nach pragmatischen und gangbaren Wegen zur
Einführung entsprechender Methoden und Technologien
Ausschau zu halten. Dies zeugt nicht zuletzt
von einem akuten Mangel an qualifizierten Beratungskompetenzen
seitens der Lösungsanbieter – ein
Manko, das schlichtweg das sprichwörtliche „Aus“ für
ein geplantes Wissensmanagement-Projekt bedeuten
kann.
Zu guter Letzt wird in der
Hersteller-Community immer wieder die Nase gerümpft,
wenn es darum geht, Wissensmodelle von der Stange
zu verkaufen. Das mag auch aus wissenschaftlicher
Sicht richtig sein, doch warum sollten standardisierte
und branchenspezifische Wissensmodelle nicht
erfolgreich in den Unternehmen zum Einsatz kommen
können? Lieber eine bezahlbare, sofort einsetzbare
und damit gesunde Ausgangsbasis haben, als monatelang
in Expertenteams an der Wissensmodellierung zu
basteln. Die Kunden sollten vehement nach pragmatischen
Lösungen fragen, die sie direkt für
ihr Business bzw. in ihrem erfolgsentscheidenden
Geschäftsprozess einsetzen können.
Die Bertelsmanntochter empolis
macht ihren Wettbewerbern in der Branche eines
vor: Man kann mit lösungs- und nachfrageorientiertem
Wissensmanagement nicht nur in Deutschland gutes
Geld verdienen. Das bedeutet aber nicht etwa,
dass man das Engagement in Forschung und Entwicklung
schleifen ließe. Ganz im Gegenteil – es
geht darum, Lösungen, die jetzt nachgefragt
werden, anbieten zu können und sich parallel
auf hohem Niveau für zukünftige Anforderungen
zu rüsten. Von den Synergieeffekten im Konzernverbund
ganz zu schweigen. Die Comma Soft aus Bonn geht
einen ähnlichen Weg und kann sich seit Jahren
als profitables Unternehmen im schwierigen Wissensmanagement-Markt
sehr gut behaupten. Zwar sind die wissensgetriebenen
Ansätze beider Anbieter grundlegend verschieden,
doch das Erfolgsgeheimnis ist das gleiche: Nicht
zuviel reden, sondern kunden- und nachfrageorientiert
handeln. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und
nicht umgekehrt.
Beobachtet man zudem die aktuellen
Veränderungen in der Anbieterlandschaft,
so kommt es wieder einmal zu einer kleinen aber
feinen Konsolidierungswelle. Dieses ist ja auch
kein Wunder, denn gute Technologieentwicklungen
sind zur Zeit günstiger denn je durch zahlungskräftige
Keyplayer einzukaufen. Das bekannteste Beispiel
ist Open Text, die erst vor ein paar Monaten
Gauss Interprise (Content Management) übernommen
hat und nunmehr auch noch den ECM-Anbieter IXOS
akquiriert. Zwar steht in diesem Zusammenhang
noch die Zustimmung der IXOS-Aktionäre aus,
doch daran wird der geschickt durchdachte Deal
sicherlich nicht mehr scheitern. Sollte jetzt
auch noch die Technologie- und Unternehmensintegration
zügig vorangetrieben werden, dann ist das
Unternehmen außerordentlich gut im Markt
aufgestellt und stellt eine echte Alternative
in Sachen Information Management und Virtual
Teamwork dar. Zudem werden die langjährigen
Erfahrungen der IXOS dazu dienen können,
den attraktiven SAP-Anwendermarkt mit passenden
Lösungskomponenten
zu bedienen.
Neben den aktuellen Konsolidierungen
lässt auch das viel versprechende Aufkeimen
nutzengetriebener Lösungsansätze auf
der Basis von Information Services wieder etwas
Hoffnung aufkommen, dass es immer mehr bedarfsgerechte
und nachfragekonforme Lösungen geben wird.
Die Lösungsanbieter dürfen auf keinen
Fall vergessen: Es geht nicht primär darum,
neue Anwendungen und Wissensprozesse in den Unternehmen
einzuführen, sondern bestehende zu unterstützen,
um die Entscheidungskompetenz der Mitarbeiter
absichern zu helfen. Dies wird bereits seit Jahren
gepredigt, doch an konkreten Lösungen fehlt
es häufig noch immer. Gerade Versicherungskonzerne
können davon ein Lied singen, wenn es gilt,
z.B. den Prozess einer Schadensregulierung fachlich
zu untermauern. Hier bedarf es im Regelfall nicht
großer Informationspakete – kleine,
aber erfolgsentscheidende Informationsimpulse
sind gefragt.
Ich bin sehr gespannt, in
welche Richtung sich die größtenteils
hochspezialisierten Lösungsanbieter entwickeln
werden: zurück in die Forschungseinrichtung
oder hin zu einem kunden- und nachfragefokussierten
Pragmatismus?
Autor: Marc S. Tenbieg
Braiconn Deutschland e.K.
www.braiconn.de
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